Confare CIO-Blog 2026 · Interview

Entscheidungsraum vor Lösungsraum

Warum Mandat der Startpunkt ist, was eine Nicht-Entscheidung kostet und wer sie trägt. Kurzfassung meiner Position aus dem Confare-Interview zum Jahresmotto 2026.

Michael Leitner · Geschäftsführer & CIO · PBS Logitek

Zuerst erschienen am 20.01.2026 im Confare-Blog, im Interview von Michael Ghezzo: Der CIO-Weg vom Reden zum Machen . Hier meine Position in Kurzform.

Mandat ist der Startpunkt, nicht die Lösung. Sind Mandat und Entscheidungsrecht nicht geklärt, arbeiten Teams auf Annahmen. Das wirkt kurzfristig schnell und ist instabil. Der Schaden ist nicht die verschwendete Arbeit, sondern die verbrannte Energie: Menschen bauen etwas, dann kippt die Richtung, weil das Grundmandat nie entschieden war.

Meine Regel ist deshalb einfach. Ist der Entscheidungsraum nicht geschlossen, gehen wir nicht in den Lösungsraum. Ausnahme sind akute Betriebs- und Sicherheitsrisiken. Dort gilt zuerst Stabilisierung, danach die Überführung in Governance.

Die Trägerlast einer Nicht-Entscheidung landet fast nie dort, wo sie entsteht. Sie landet dort, wo Betrieb hergestellt wird. Unsichtbar bleibt sie, weil Workarounds funktionieren. Der Preis steht auf keiner Rechnung, er steckt in manuellem Aufwand, Qualitätsabstrichen, Risiko und Demotivation.

Bleibt der Entscheidungsraum offen, entstehen vier Muster: Richtungswechsel, die wie Willkür wirken. Eskalationslärm statt Priorität. Absicherung statt Wirkung. Und Heldentum, das kurzfristig rettet und langfristig abhängig macht.

Nicht zu entscheiden ist zulässig, aber nur als bewusste Entscheidung, mit Checkpoint, Kriterien und Verantwortlichen. Alles andere ist Verschiebung.

Ownership entsteht nur dort, wo Entscheidungen halten. Nicht für immer, aber bis eine neue sie ersetzt. Verlässlichkeit ist der Hebel, nicht Motivation.

Erstveröffentlichung

Das vollständige Interview auf confare.at